Schon gegen Ende des 19. Jh. wurde der Antisemitismus wieder "gesellschaftsfähig". Von einfachen Menschen auf der Straße bis in die höchsten Gesellschaftskreise kursierten herabsetzende Meinungen in Wort und Bild.
In den Einbecker Medien wurden antisemitische Unterströmungen um 1920 in den Medien, insbesondere in der Berichterstattung von den Wahlkämpfen zur Nationalversammlung und zum deutschen Reichstag verstärkt fassbar.
Manch ein Verein verwehrte Juden seit Anfang der 20er Jahre den Zutritt zu Veranstaltungen. Die Entrechtung der jüdischen Mitbürger durch Gesetze und Verordnungen nach 1933 griff in Einbeck genau so schnell um sich wie andernorts. Geschäfte wurden boykottiert, andere Unternehmen erklärten sich zu "reindeutschen" oder "reinchristlichen" Unternehmen ohne "jüdische großkapitalistische" Beteiligung.
Veranstaltungen der Einbecker Synagogengemeinde wurden überwacht. Die Einbecker Judenstraße erhielt den abwertenden Namen "Pfänderwinkel".
Von 1935 bis 1937 schlossen sieben Geschäfte jüdischer Inhaber. Ab 1938 stiegen die Zwangsmaßnahmen gegen Juden rapide an. Wer bis dahin nicht aufgegeben hatte, dessen Geschäft wurde "arisiert".
Bis 1942 entkamen noch 21 Personen ins sichere Ausland. Dann begannen die Deportationen der letzten in Einbeck verbliebenen Juden.
Liste der aufgegebenen und "arisierten" Geschäfte 1935 bis 1939:
- Jordan, Tabakwaren, 1935
- Jordan, Kohlenhandlung, 1935
- Sollinger, Manufakturwaren, 1935
- Sterin, Viehhandlung, 1935
- Fuchs, Hosenträger-, Rucksack- und Peitschenfabrik, 1936
- Westenberg, Textilhandlung, 1936
- Wehl, Herrenkonfektion und Schuhwaren, 1936
- Goldschmidt, Herrenkonfektion und Schuhwaren, 1938
- Adler, Produkten-, Fell- und Darmgeschäft, 1938
- Archenhold, Kaffee-, Tee- und Kakaogeschäft, 1938
- Herzberg, Fell- und Produktenhandlung, 1938
- Rosenberg, Manufaktur- und Modewaren, 1939






